
Ich öffne die Augen, orientiere mich, wo sind wir? Wie kalt ist es? Geräusche? Sonne vielleicht? Ich merke, dass meine Augen schwer sind, mein Gesicht irgendwie verrutscht, das passiert mir immer wenn es Nachts sehr kalt ist. Und letzte Nacht war es kalt, im August eher ungewöhnlich, dass die Temperaturen Tags bei 25 liegen und Nachts bei minus 10. Ich höre noch nichts, nehme meine Kleider in den von aussen nassen Schlafsack, um sie vorzuwärmen; schalte mein Telefon ein, um die Uhrzeit zu wissen, Empfang haben wir schon lange keinen mehr. Das Anziehen kostet Überwindung, Reissverschluss auf, alles schläft noch, die Pferde liegen, die Zelte sind still, die Umgebung ist weissgefroren, eine Eisschicht auf dem Zelt. Der Ausblick? Zauberhaft, weit, atemberaubend…wie immer, die Mühe lohnt sich 1000mal, ich weiss wieder warum ich es tue…immer wieder – all you need is less
Los Baby, KaffeekochenZähneputzen

Luki, der junge Kangal, der uns bei der Tour begleitet, begrüsst mich. Er schläft draussen bei den Pferden und schlägt Nachts Alarm, falls die Bären zu nahe an uns herankommen. Ich setze Wasser auf, wasche mein Gesicht mit dem Eiswasser aus dem Bach, Zähneputzen…hab sofort Hirnfrost. Das Bedürfnis ein weiteres Teilchen meines Körpers mit dem Wasser zu berühren ist gleich null. Ich mache mir einen Kaffee in einem geliehenen Becher. Meiner ist zerbrochen und das ist wirklich ärgerlich, keinen Becher für heisse Getränke zu haben betrifft mich sehr viel mehr, als nicht zu duschen.
Der Erste krabbelt aus dem Zelt, gesellt sich zu mir, trinkt und isst… wir reden über die Nacht, die Kälte und was uns heute erwartet. Nach und nach kommt die Gruppe zusammen, es wird wärmer, wir lachen schon wieder über Lustiges von gestern. Wir bauen das Lager zusammen und als wir losreiten scheint die Sonne und die Kälte ist längst vergessen.
Wir reiten heute als erstes an den Taniesee, wo wir noch nie waren, in einer Stunde sind wir da, sagen unsere Bergführer, wir freuen uns. Nach einer Stunde haben wir gerade mal den Pass erreicht und sehen einen Zipfel des Sees ca 800 Höhenmeter unter uns, wer weiss wie viele Kilometer entfernt. Wir beratschlagen…wollen wir zu dem See? Durch Erdrutsche gibt es keinen Durchweg auf der anderen Seite des Sees, sagen die Schäfer, wir müssen also den gleichen Weg wieder zurückreiten und werden die Tagesetappe nicht schaffen. Aber wir sind uns einig, dass wir alle dorthin wollen und bereit den Plan anzupassen. Wer hat was von einer Stunde gesagt? Ich frage, wann sie das letzte Mal dort waren – vor ca 10 Jahren! :)) Ich muss lachen, immer wieder wird mir klar, dass ich eigentlich gar nichts im Griff habe und mein Vertrauen in etwas Höheres, das uns leitet und beschützt oft das Einzige ist was bleibt. Und meine eigene Motivation natürlich, die Grundgefühle (m)einer jeden Reise: Freiheit, Ehrfurcht und der Wille zum Wissen.
Wir reiten und führen die Pferde hinab, der Weg zieht sich unendlich aber die Landschaft hat sich verändert. Die gewohnten, sanften, grünen Berge, die wie schlafende Riesen wirken haben sich diesseits in schroffe, schwarze, Riesenmassive verwandelt…wir sind begeistert und sehr froh, uns für den Weg entschieden zu haben. Nach mehreren Stunden kommen wir unten an. In Herzform leuchtet der See türkisblau, ist vollkommen klar. Er wird von umliegenden Wasserfällen gespeist – magic, again and again – Liebe kann einfach alles
Wir verteilen uns, Schwimmen, Fotografieren oder schauen einfach nur rum. Nach einiger Zeit brechen wir wieder auf. Davit gibt Gas, wo er nur kann trabt oder galoppiert er Stückweise. Wir sind bergauf noch nie so schnell geritten. Die unerfahrenen Reiter unter uns, sind herausgefordert, die Pferde geben alles und wir haben die Megagaudi. Gegen 17 Uhr kommen wir an der Stelle an, wo wir am Morgen los geritten sind. Wir haben einen Riesenhunger und wollen nur Essen. Es war ein fabelhaftsensationeller Tag, wenn auch ganz anders als geplant. Wir beschliessen noch einmal an der gleichen Stelle zu übernachten, die Pferde haben heute genug gegeben.

Ich koche Abendessen, es gibt eine Kornmischung (schmeckt wie Vogelfutter) mit roter Bete und Gurkensalat (den gibt es jeden Abend, da sie hart genug für den Transport sind und lange frisch schmecken). Die Dunkelheit bricht gegen 20 Uhr ein und mit ihr die Kälte. Auf der Höhe gibt es natürlich keine Bäume, also auch kein Lagerfeuer aber etwas Chacha, den georgischen Schnaps. Drei von uns bearbeiten seit Anbeginn, die 1,5 Liter Petflasche, die wir dabei haben…Ich lasse Musik vom Handy laufen, wir haben verschiedenfarbende Stirnlampen an und dancen was das Zeug hält. Wir haben Mukke, einen sehr lebendigen Strobo und sogar Schwarzlicht. Und mit der Milchstrasse über unseren Köpfen und den Bären, die nichts mehr verstehen einen Riesenspass.








